Google StreetView

Eine Bauernkate in Lübeck. Der Besitzer schaut aus dem Fenster. Ein Künstler hat sich auf der anderen Straßenseite nieder gelassen, auf der Staffelei eine Leinwand so weiß wie Schnee. Es ist ganz klar, er möchte den Charme, die Schönheit dieser Kate einfangen. Er malt. Der Besitzer verlässt das Gebäude und begibt sich zu dem auf der anderen Straßenseite werkelnden Künstler. Er spricht ihn an: “Was machen Sie da?” “Ich male ihre wunderschöne Kate”, antwortet der Künstler und widmet sich wieder seinem Werk. Der Besitzer jedoch überlegt einen Moment und fragt schließlich ob das Bild denn verkäuflich sei. “Ja, das ist es,” antwortet der Künstler und nennt einen entsprechenden Preis. Dieser ist jetzt nicht unanständig hoch, aber günstig wäre dann auch was anderes, eben angemessen, nur ist der Besitzer nicht bereit, diesen zu zahlen. Er verabschiedet sich vom Künstler und wünscht noch frohes Schaffen. Zurück im Haus sieht er leicht geschmeichelt, wie der Künstler weitermacht.

So in etwa ist diese Geschichte tatsächlich geschehen und sie umschreibt sehr schön wie bis vergangenes Jahr mit dem Thema Panoramafreiheit umgegangen wurde. Offen und frei. Bis Sightwalk, dann kam der milliardenschwere Suchriese aus Mountainview auf den Plan. Google wollte Deutschland 3-dimensional kartographieren. Mit einer Flotte von recht futuristisch wirkenden Kamerawagen, Kleinwagen auf deren Dach in 2,50 m Höhe eine 360° Kamera montiert ist, wurde also Deutschland digital für die Öffentlichkeit festgehalten.

Nun kommt der Punkt an dem ich nur spekulieren kann, warum die Stimmung kippte in der Gesellschaft. Fakt ist jedenfalls, dass dieses Thema die Gesellschaft spaltete. Die eine Hälfte dafür, die andere dagegen. Unwissenheit herrscht sicher auf beiden Seiten, aber die Gegner von StreetView sind sicher die Unkundigeren. Denn geltendes Recht wird auf einmal umgedeutet wie es gerade passt. Google wird das Recht auf etwas abgesprochen, auf etwas das andere tagtäglich machen. Gebäude fotografieren und diese Bilder kommerziell zu nutzen.

Ja, Google plant diese Bilder kommerziell zu nutzen, logisch, die Erfassung war ja auch entsprechend teuer. Außerdem ist das auch das Geschäftsmodell von Google. Dem Nutzer Daten kostenlos zur Verfügung zu stellen, um nebenbei mit Werbung Geld zu verdienen. Ein im übrigen recht lukratives Geschäftsmodell, das auch schon der Ätschiverderci-Fraktion ein Dorn im Auge ist, die eine

unlautere Nutzung von Inhalten sieht, wo keine ist. Ja die Streetview Debatte ähnelt sehr der um ein so genanntes Leistungsschutzrecht.

Seit Jahren rennen Touristen durch unsere Städte und fotografieren sie bis ins kleinste Detail, sicher sogar Orte, die nicht von der Panoramafreiheit abgedeckt sind. Aber beschwerte sich jemand? Nein, warum auch? Nun möchte aber jemand mit eben solchen Fotos Geld verdienen und da ist er wieder unser Aller alter Freund: Neid. Die Inhalte-Industrie ärgert sich, dass sie nicht auf die Idee kam, und die Leser und Zuschauer lassen sich von platten Begründungen mitreißen, denn wem, wenn nicht unserem hochsouveränen Journalismus kann man denn

trauen? Medienkompetenz?

Was sind nun aber die Ängste und Befürchtungen der Gegner? Halt ihre Gegenargumente.

  1. Peröhnlichkeitsrechte würden verletzt
    Das Urheberrechtsgetz ist hier ganz klar formuliert.
    Selbst wenn Personen auf den Bildern wären, welche Google übrigens freiwillig und von alleine verpixelt, wäre das Hauptaugenmerk ja dann doch eher auf dem Stadtbild.
  2. Ihr Urheberecht würde von Google verletzt. Und man müsse mindestens Lizenzgebühren zahlen.
    Wie gesagt Paragraph 59 des Urheberechtsgesetzes sagt etwas Anderes.
    Außerdem müsste dies sonst ja auch für sämtliche Postkartenverlage gelten. Denen hat aber noch keiner eine Abmahnung geschrieben.
  3. Dann aber ist das ja wohl ein Eingriff in die Privatsphäre.
    Also ich kann mir was Spannenderes vorstellen als in eure Gärten zu schauen wie ihr nackt am Pool liegt. Oder zu sehen, wie ihr eure Frau mit ‘ner Anderen im eigenen Schlafzimmer betrügt. Bitte – wir bekommen nichts geboten was ein 2,50 m Mann nicht auch sehen könnte. Zugegeben sind 2,50m eher selten, aber aus dem Bus, sind in Doppeldeckern zum Beispiel noch viel höhere Ebenen möglich. Wir sehen also nichts, was nicht auch ohne Google StreetView sichtbar wäre.
  4. Einbrechern stünde nun Tür und Tor offen.
    Das Google StreetView Bildmaterial ist bei Veröffentlichung mindestens ein halbes Jahr alt. Für Einbrecher völlig ungeeignet. Da greift man doch lieber auf vielerorts, übrigens datenschutzrechtlich wirklich bedenklich, auf von Privatpersonen montierte Webcams zurück. Da hat man wenigstens Livebilder, aber das Ausspähen vor Ort wird es dann auch nicht ersetzen können.

Was bleibt nun von diesen Argumenten? Nicht viel würde ich mal sagen. Das nun letzte Argument, das es noch zu entkräften gilt, wäre dann wohl.

Was bringt es uns denn und wer außer perversen Spannern und Kriminellen hat einen Nutzen davon?

Spanner und Kriminelle? Na, das hab ich doch eben schon zurückgewiesen. Die Möglichkeiten möchte ich dennoch erwähnen.

  1. Kostengünstige Städtereisen
    Viele Familien werden sich wahrscheinlich nie größere Übersee-Reisen leisten können. Außer mit StreetView. Ohne würden sie dennoch nicht nach Washington, Moskau oder Paris reisen können. Das Finanzielle wie Sprachbarrieren verhinderen dies.
  2. Urlaubsplanung
    Zeit ist Geld und Geld ist knapp, selbst bei denen, die sich einen Urlaub leisten können. Deshalb ist es doch praktisch, schon im Vorfeld auszumachen, wo es hingehen soll. Ein Grund, warum Bewertungsportale wie Qype übrigens so erfolgreich sind.
  3. Neue Wohnung in fremder Stadt.
    Ich könnte nun die Begründung von Punkt zwei kopieren. Denn auch hier gilt, Zeit ist Geld und jede Wohnung besichtigen, wenn die Gegend schon nichts taugt wäre doch Blödsinn.
  4. Bildung
    Im Unterricht kann damit gearbeitet werden. Es bilden sich ungeahnte Möglichkeiten für Schüler und Lehrer. Stellen wir uns vor wir sprechen im Englischunterricht vom Broadway. Was wäre spannender für Schüler als ein Spaziergang, um anschließend der Klasse zu schildern, was man sah.

Es gibt noch weitere Argumente bestimmt, aber ich finde für den Anfang reicht das doch. Und nur weil ich dabei am Computer sitze, verblöde ich doch nicht oder vereinsame, nein ich habe eine neue Möglichkeit gewonnen, meinen Horizont zu erweitern. Also lasst uns nicht alles Neue verteufeln, nur weil es unbekannt ist. Lasst es uns erforschen.

Nur so ist Fortschritt möglich.

  1. Also ich sehe das kritischer. Ich denke es ist ein Problem, dass immer mehr persönliche Daten im Internet zu finden sind. Allerdings ist das kein spezifisches Streetview-Problem, auch wenn Streetview das Problem verstärken wird.

    Du hast das Beispiel mit dem Maler genannt. Auf den ersten Blick schein es das Gleiche zu sein. Jemand bildet Dein Zuhause ab und macht das Bild für andere zugänglich. Allerdings heißen Bilder selten „Das ist das Haus in der Beispielgasse 7 im Beispielhausen, wo Familie Müller wohnt“.
    Und selbst wenn doch ist die Öffentlichkeit eine andere. Eventuell wird das Bild vom Käufer und seinen privaten Freunden gesehen oder von den Besuchern einer Kunstgalerie. Aber genau das passiert im Internet.

    Wie gesagt ist Streetview nur ein Teil davon, schließlich zeigt es Dein Haus im Normalfall nur von vorne. Aber Google-Earth zeigt es auch noch von oben, das Online Telefonbuch ordnet der Adresse Deinen Namen zu und Facebook etc. tun ihr übriges dazu.

    Das ist meiner Ansicht nach das Problem. Warum die Diskussion jetzt ausgerechnet bei Streetview hochkocht, verstehe ich allerdings auch nicht.

    Gruß
    Fulano

  2. Diese ganze Google-Streetview Diskussion ist doch eine einzige Inszenierung. Käse im Quadrat. Schaut euch doch bitte mal Bing Birdseye an – z.B. Lübeck aus allen vier Himmelsrichtungen – da beschwert sich auch niemand. Und warum nicht? Weil wir da nicht mal gefragt wurden, ob wir einverstanden sind. Denkt mal drüber nach…