Gemeinde wirft Facebook raus.

Wie sich ein kleines Dorf gegen den Amerikanischen Marktriesen aufbäumt.

Die Ganze Welt liegt dem großen Marc Zuckerberg zu füßen, die Ganze Welt? Nein, die kleine 2200 Seelen Gemeinde Dellingsdorf im Amt Bargteheide-Land widersteht der Süßen versuchung am Goldenen Facebook Kuchen zu Naschen. Naja, zumindest man schon länger davon Probierte.

Nun üben sich die Gemeindevertreter im Wiederstand, mit den Stimmen von WGD (Wählergemeinschaft Dellingsdorf) und SPD wurde nach über einer Stunde Diskussion und unermüdlichen Einsatzes des Gemeindeverters Malte Steckmeister (CDU), der von Bürgemeister (WGD) und WGD-Fraktionsvorsitzenden initiierte ANTI-Facebook.[1] beschluss gefasst.

Präziser, ein Beschluss gegen sämtliche Sozialen Netzwerke..[2]

Die Argumente,  so fadenscheinig und widersprüchlich Sie sind,  könnten ein großartiges Comedy Programm füllen,  wäre es nicht bittere Tatsache.

es handelt sich um amerikanische Unternehmen, die damit Geld verdienen

Ja natürlich ist Facebook ein Wirtschaftsunternehmen, das Geld verdienen will verdient und dies zum Überleben auch muss. Übrigens giebt es auch Deutsche Facebooks, z.B. die VZ-Netzwerke. Was aber is daran so verwerflich, die Regionale Tageszeitung ist immerhin auch ein Wirtschaftsunternehmen.

 

man würde damit Werbung für solche Unternehmen machen und die kommen nicht aus Delingsdorf

Wie lokalistisch, hat man da etwa versucht die Gemeinde in einem nicht so netten Farbton.[3] einzufärben.  Übertreibe Ich?  Sicher,  man weis es nicht und entschuldige deshalb bitte die Polemisierung.  Ehrlich in einer Globalisierten Welt dürfte man dann auch nicht im Supermarkt irgendwelche Produkte kaufen, denn die sind sicher auch nicht aus der Region. So löblich lokale Verbundenheit ist, aber nach dem Argument darf man auch keinen Fisch kaufen wenn er nicht aus Delingsdorf kommt.

 

da könnte ja jeder kommentieren und was schreiben

Oh Oh, was für ein Demokratieverständnis grundsätzlich, und was für für ein Verständnis von neuen Medien im Allgemeinen. Meinungsäußerung ist also nur erwünscht, wenn man die Kontrolle darüber hat. Das lässt tief blicken. Außerdem scheint bei den Würdenträgern noch nicht angekommen zu sein das man im Internet jederzeit unkontroliebar kommentieren kann ob es nun eine Seite bei Facebook gibt oder nicht. Das ist das Internet und zwar seit über 10 Jahren.

 

da würde das Wappen der Gemeinde mißbraucht werden

Obwohl die Administratoren von delingsdorf.de diese Seiten Offiziell.[4] im zuge ihres Auftrags der Betreuung der Onlinepräsenz der Geminde, einrichteten.

 

im Netz sei nur eine bestimmte Schicht/ein bestimmter Nutzertypus unterwegs

Welch Arroganz, es bedarf wohl kaum spezieller Studien, ein Blick in unsere Freundeslisten bestätigt schnell, dass sich viele verschiedene Gesellschaftsschichten im Netz tummeln. Im speziellen natürlich Kommunikationsfreudige Bürger mit einem Interesse am Modernen. Diese nichtmehr bedienen zu wollen grenzt scharf an Diskriminierung und diese ist Gesetzlich untersagt.

 

wer etwas über Delingsdorf wissen will, solle es googeln

Ach wie war das mit dem Wirtschaftsunternehmen aus Amerika?  Interessanterweise bestehen keine Probleme damit, Google Maps oder Youtube eingebettet zu lassen beziehungsweise Links auf Bildergalerien bei Picasa zu haben, wie Malte Steckmeister berichtet.

 

Ich danke Malte Steckmeister, für die Berichterstattung bei Facebook, und in seinem BLOG, die einen tiefen Einblick in die Delingsdorfer Geimeindeversammlung bietet.

Denn schaue ich mir die eben erwähnten Argumente gegen die Nutzung von Sozialen Netzwerken an, so muss festgestellt werden, dass die Diskussion vorallem von Ängsten und Missverständnis und teilweise sogar von einem Mittelalterlichen Demokratieverständnis geprägt ist. Symptomatisch für die Gesamte Debatte in der Netzpolitik.

Oder wie man sagt: ”Was der Bauer nicht kennt das frisst er nicht.”

 

PS: Die Lübecker Nachrichten, haben sich im Redaktionsblog der Thematik auch schon fabelhaft angenommen.

 

Foto: flickr User: ButchLebo cc-by

  1. [1]Formal lag zunächst kein Antrag vor,  der TOP lautete: Internetseite der Gemeinde Delingsdorf,  hier: Verlinkung zu  „sozialen Netzwerken (Internet)“

    Am Ende stand dann von Malte Steckmeister (CDU) die Frage:  “Wollt ihr,  daß die Gemeinde in Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter vertreten ist oder nicht?”

    Abstimmung war: 2 Ja (beide CDU), 8 Nein (1x SPD, 7x WGD), 3 Enthaltungen (alle WGD).

  2. [2] Ich werde Facebook aber, als Quasi Standard, in Analogie nutzen.
  3. [3]Ich möchte niemanden etwas unterstellen, da ich ohne Protokolleinsicht auch keinem die Aussagen zuordnen kann, aber es wirkt eben so. Wenn es auch überspitzt sein mag.
  4. [4]Es gab in dem Sinne keinen Offiziellen Auftrag, der Gemeindeversammlung.
    Da die Seite delingsdorf.de seit 2003 ehrenamtlich und ohne wiederrede betreut wurde, kann man offiziell geduldet, auch von einem Offiziellen Auftrag zur Präsenz im Web ausgehen.